Umweltschutz im Wald auf Karthause in Koblenz

Bei unserem Cleanup auf der Karthause in Koblenz stand am 12. Januar 2020 erstmals ein großes Waldareal auf der Agenda. Ausgesucht hatte sich dieses Gebiet Rainer Leonhard, der uns von Beginn an bei unseren Cleanups unterstützt und kaum eine unserer Aktionen für den Umweltschutz in Koblenz versäumt hat. Rainer wohnt auf der Karthause zwischen Rhein und Mosel und schlug das Waldgelände für ein Cleanup vor, dem wir uns gerne annehmen wollten.

Uns gefiel die Idee so gut, sodass wir in kürzester Zeit zum ersten allgemeinen Cleanup mit DRECK WEG, KOBLENZ! öffentlich einluden. Insgesamt nahmen knapp 20 Personen teil, darunter auch drei Kinder, über die wir uns bereits bei der letzten Umweltaktion in Koblenz-Ehrenbreitstein sehr gefreut haben.

Rainer, der den Wald auf der Karthause besonders gut kennt, übernahm für die Aufräumaktion die Leitung vor Ort. Wir wollten von ihm wissen, warum er sich so sehr für das Aufräumen auf der Karthause stark gemacht und was er mit den Helferinnen und Helfern im Rahmen des vierstündigen Cleanups erlebt hat. Das Interview mit Rainer führte Malte.


Interview mit Rainer Leonhard

Malte

Hallo Rainer. Für den Sonntag haben wir ja gemeinsam zu einem Cleanup aufgerufen, das dir persönlich sehr am Herzen lag. Du hast bei dieser Umweltaktion auch als Guide fungiert, worüber wir dir sehr dankbar sind.

Erzähl doch mal kurz, wie du darauf gekommen bist, vor allem im Wald auf der Karthause Unrat und Kleinmüll zu sammeln.

Rainer

Als Naturliebhaber und begeisterter Wanderer bin ich schon immer gerne im Wald unterwegs. Irgendwann vor circa zwei Jahren habe ich aus nostalgischen Gründen einen Platz aufgesucht, an dem wir uns als Jugendliche häufig aufgehalten haben … man hat ja früher noch im Wald gespielt. Diesen Platz, der weit entfernt eines Weges liegt, aber eine tolle Aussicht über das Moseltal bietet, fand ich völlig vermüllt vor. Gartenmöbel, Grills, Flaschen, Plastikverpackungen lagen überall herum.

Foto: Unrat im Wald in Koblenz auf der Karthause

Unrat im Wald, Foto: Rainer Leonhard

Anhand vom Mindesthaltbarkeitsdatum zeigte sich, dass der Müll bereits Jahrzehnte dort lag. Von diesem Tag an habe ich regelmäßig die Wege verlassen und viele weitere vermüllte Plätze ausfindig gemacht. Ich fing an mich zu informieren über die Plastikflut, Mikroplastik, die allgemeine Vermüllung unseres Planeten und wollte meinen Teil dazu beitragen, den Problemen Herr zu werden.

Seitdem habe ich immer einen Stoffbeutel dabei, den ich mit Müll vom Wegesrand fülle. Anfangs war es nur ein Beutel, manchmal zwei, dann habe ich gelegentlich mehrere Stunden damit zugebracht, Müllanhäufungen zu beseitigen. Mittlerweile weiß ich, wo ich suchen muss. Durch die sozialen Medien habe ich dann gemerkt, das ich nicht alleine bin und habe mich auch der DRECK WEG, KOBLENZ!-Gruppe auf Facebook angeschlossen.

Malte

Du bist ja selbst ein „alter Hase”, was Cleanups angeht. Und neben einigen weiteren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die am Sonntag mit dir in ihrer Freizeit Müll gesammelt haben, waren einige neue Gesichter dabei. Wie ist die Umweltschutzaktion an sich abgelaufen?

Rainer

Nachdem der Termin für das Cleanup feststand und überall in den sozialen Medien veröffentlicht war, haben sich schnell Leute gefunden, die daran teilnehmen wollten. Nach einer kurzen Begrüßung und näheren Erläuterungen zum zu reinigenden Gelände, habe ich die Leute in Gruppen aufgeteilt und losgeschickt.

Ich selber habe im schwierigsten Teil des Geländes mitgeholfen und stand als Ansprechpartner übers Handy zur Verfügung. Überall wurden Säcke gefüllt und Müll-Zwischenlager errichtet, die wir später gemeinsam zum Sammelplatz gebracht haben.

Am Ende waren es 35 prallvolle große Müllsäcke sowie jede Menge andere Dinge wie eine abgefackelte Mülltonne, Autoreifen, ein uraltes halb in der Erde steckendes Sofa, Teppiche und so weiter. Nach einem Abschlussfoto mit denjenigen, die bis zum Ende bleiben konnten, sind alle zufrieden und müde nach Hause gegangen.

Malte

Ich kann mir gut vorstellen, wie müde ihr bei dem Gelände gewesen sein müsst – das Cleanup hat ja schon fast etwas mit Hochleistungssport zu tun.

Rainer, auf fast jedem Cleanup finden wir Besonderheiten. Vom Gebiss über Flaschenpost bis hin zu Puppen, Bademänteln und Schmuck haben wir schon so manches gefunden. Auf welche Kuriositäten seid ihr diesmal gestoßen?

Rainer

Neben zwei Handys, einer historischen Deko-Pistole, einem Sofa, einem Wäschetrockner fanden sich noch Tüten mit Besteck und Geschirr, es war wieder alles dabei, was nicht in den Wald gehört.

Foto: Deko-Pistole beim Cleanup im Wald gefunden

Fundstück im Wald: eine Deko-Pistole, Foto: Rainer Leonhard

Malte

Es ist wirklich immer wieder erschreckend, was alles im Wald und allgemein in der Umwelt entsorgt wird. Gerade in einem Wald, der teilweise wirklich schwer zu begehen ist. Hast du eine Botschaft, die du hier gerne an alle loswerden möchtest?

Rainer

Am Anfang, das muss ich gestehen, kostet es etwas Überwindung, den Müll anderer Menschen aufzuheben. Aber es ist ein immer besseres Gefühl, etwas gegen die zunehmende Vermüllung getan zu haben. Gelegentlich kommt man ins Gespräch mit Menschen, die fragen, was man da tut. Und nach einer kurzen Erklärung erhält man oft Lob. Vielleicht wird der eine oder andere dann auch umdenken und handeln, denn so kann es nicht weitergehen.

Foto: gesammelter Müll und Unrat in Koblenz-Karthause

Teil des gesammelten Mülls, Foto: Rainer Leonhard

Malte

Rainer, ich bin dir sehr dankbar dafür, dass du dir nicht nur die Zeit genommen hast, uns diese Fragen zu beantworten und vor allem die Aktion mit anderen motivierten Menschen für eine sauberere, gesunde Natur auf der Karthause in die Hand zu nehmen. Du bist ein so gutes Beispiel für vorbildlichen Einsatz für unsere Umwelt. Von daher danke ich dir sehr, dass du Umweltschutz jeden Tag lebst.

Rainer

Das mache ich wirklich gern. Und es ist einfach notwendig. Ich freue mich, wenn immer mehr Menschen begreifen, wie wichtig eine intakte, unverdreckte Umwelt ist – wir sind schließlich von ihr abhängig. Großartig ist es auch, dass viele und vor allem immer mehr dazu kommen und sowohl im Alltag wie auch bei den Cleanups Müll aufheben und richtig entsorgen!

Foto: Cleanup-Team in Koblenz-Karthause

Ein Teil der ehrenamtlichen Umweltschützer, Foto: Rainer Leonhard


Bild: Button Umweltschutz


Dankeschön für den unermüdlichen Einsatz auf der Karthause

Herzlichen Dank an alle Helfer, die am Sonntag mit dabei waren und mit Rainer über Stock und Stein liefen, Müll aus dem Erdreich buddelten, um ihn die Hänge hoch zu schleppen. Ihr seid großartig – danke für eure Zeit, euren Einsatz.

Danke auch an den Kommunalen Servicebetrieb, der am Montag direkt den gesammelten Müll abgeholt hat, um ihn fachgerecht entsorgen zu können.

Ihr möchtet auch aktiv werden und im Raum Koblenz eine Umweltaktion durchführen?

Schreibt uns einfach an!

Gern überprüfen wir, wie wir euch bei der Durchführung oder Bewerbung eures Cleanups unterstützen können. Erste Tipps, die ihr berücksichtigen könnt, bekommt ihr von uns hier.

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